In den alten Zeiten, da Zauberei noch in den Dörfern der Menschen beheimatet war, lebte einst eine Hexe namens Ceridwen. Sie war eine Hexe der guten Art, die ihr Tagewerkdamit verbrachte, in den Wäldern seltene Kräuter und Pflanzen zu säen, aus denen sie heilsame Säfte braute. Die Menschen der naheliegenden Dörfer störten sich mitnichten
an der Hexe, war sie denn von guter Tugend und half bei ihren Gebrechen, wann immer sie sich keinen Rat mehr wussten. So einer ein Leiden erlitt, ging er zu Ceridwen in den Wald und erbat einen Trunk, der ihn von seiner Pein befreien möge. Kein Leiden, das Ceridwen nicht heilen konnte, keine Wehklagen, die nicht von ihr erhört wurde und kein Schmerz, den Sie nicht linderte.

Eines Tages trug es sich zu, dass ein Jüngling zu ihr in den Wald kam, dessen Leiden sie nicht lindern konnte. Es war der Sohn des Sattlers, der sich unsterblich in die Tochter eines Vagabunden verliebt hatte und die seine Liebe nicht erwiderte, da es der Reisenden auferlegt war, sein Dorf in Kürze verlassen zu müssen. Die Trennung von ihr quälte den Sattlersjungen so schwer, dass er fortan keinen Bissen mehr aß, keine Nacht mehr schlief und kein Wort mehr sprach.
Besorgt um seinen Lebensmut, wussten sich die Eltern des Jungen keinen Rat und schickten ihn zu Ceridwen, in der Hoffnung, die Hexe könne den Jungen kurieren. Ceridwen sah dem Jungen in die Augen und erkannte darin ein Leiden, das ihr fremd war.
"Sumpflochgras und Blütengimmel!", rief sie aufgebracht. "Was hast du dir da nur eingefangen?"
Noch einmal blickte sie in seine Augen und versuchte den Namen der Krankheit zu erkennen.
Ceridwen blieb aber ratlos. Sie sah eine unbekannte Art der Trauer, Kränkung und der Sehnsucht.
"Krötenschleim und Zitteraal, Quastenschlamm und Muttermal, spuck dir dreimal ins Gesicht, alles böse schleiche sich!"
Wohl gewiss, dass dieser Zauber dem Jungen nicht viel helfen würde, wies sie ihn in sein Dorf zurück und gebot, nach 5 Monden wiederzukommen. Beschämt und verzweifeln dem Jungen nicht geholfen zu haben, ermannte sich Ceridwen, ihre garstigen Schwestern um Rat zu fragen.

Beim ersten Monde stieg sie auf ihren Besen und flog zum Walde der Schwestern. "Was erweist uns die Ehre deines -dankbar-seltenen Besuchs?", denen Caridwen jeher unwillkommen war. "Ich brauche euren Rat!", entgegnete sie tapfer.
Da brachen die Schwestern in kreischendes Gelächter aus.
"Sie braucht unseren Rat", belustigte sich die eine."Hat wohl zu viel vom Blütenstaub geschnüffelt", grölte eine andere. Aber Ceridwen ließ sich vom Spott der Schwestern nicht einschüchtern. "Ich suche den Namen der Krankheit, die das Herz in zwei Teile zerreißt, die Augen mit Tränen füllt, die Seele aus dem Gleichgewicht wirft und dem Leib die Kräfte raubt." Einen kurzen Moment verstummten die Hexen. Dann erbrachen sie in tosendes Gelächter.
"Die Kräuterfee hat sich verliebt, ulkte die eine und alle anderen hielten sich vor Lachen die Bäuche. Da ward Ceridwens Geduld am Ende.
"Ihr runzeliges Gehäuf!", rief sie erbost, "hört auf zu lachen und sagt, ob ihr wisst , wonach ich suche" "Du kleine Närrin", sprach da die Älteste und trat auf sie zu. "Wonach du suchst, wirst du nie finden.Es ist die Liebe, die zu dieser Krankheit führt und ihr einen Namen gibt. Du selbst aber wirst weder erfahren was die Liebe ist, noch was sie bewirkt.
Und so du dies nicht erfahren kannst, du auch nie den Namen der Krankheit lernen wirst, nach dem du suchst."
"Kannst nicht heilen, diesmal nicht", begannen da die Schwestern zu sticheln. "Welch köstlich Vergnügen, sich über unsere so klug dünkende
Närrin heute Abend dergestalt amüsieren zu dürfen.
Welch Genugtuung sie gleichsam ratlos und gestraft zu sehen, für ihr ewiges Sträuben gegen die Hexeneingebung der Schadensfreude und ihr 
stets starrsinnigen Anstreben der Vernunft und des Guten. Ist und doch beinah alle Einwirkung auf ihr Gemüt untersagt geblieben, das Übermaß ihres Großmuts und ihres Mitleids zu stutzen. Wie wunderbar fügt es sich´s nun endlich, dass sie ihren Getreuen nicht wird helfen können und diese ihr mithin den Band der Freundschaft kündigen werden."Ceridwen erzürnte über den Hohn ihrer Schwestern und rief: "Bedenkt ihr gallig Gesindel, dass ich mit meinem Namen allein mehr Gutes gesät, als eure Namen zusammen je Schlechtes säen werden."
"Törichte Cerid", sprach die Älteste "Wärest nicht die Schwester meine, jagen würd´ ich dich bis zum Zenit." Fragst nach der Liebe, die der Hexen frevelhaft und untersagt, doch lese ich in deinen Augen, dass du gewillt, auch dieses Verbot zu brechen."

Feuer Waser, Erde, Luft,
Verflucht sei, wer die Liebe uft.
Sollst beommen wonach dch dürstet,
Sollst rfahren, was dich drängt,
Wirst empfangen den Zauber der Liebe dein,
Und am Ende ihm elends verschrieben sein!

"Bevor der Mond dreimal sein Gesicht verändert hat, sollst du wissen, was die Liebe ist und wie die Pain sich nennt, die du zu heilen versuchst; und du wirst bereuen ihren Namen je erfahren zu haben."
In derNacht des zweiten Mondes flog die Alte mit Ceridwen zu einer finsteren Flur, auf der ein Hirte einsamWache hielt.
"Sieh´Ceridwen, dort unten, das ist Moran. Er ist eben sonderbar, wie du, steigt jede Nacht auf diese Fur und hütet Schafe, die keine sind.
Cedwen sah zu Moran nd eblickte das Schönste, das sie je gesehen hatte. Moran stand auf der nächtlichen Flurund hütete eine Schar der wunderbarsten Nebelschwaden. Ihre Gegenwart im Schein des Mondes erkannt, sah auch Moran in Ceridwen, das Lieblichste, das er je erblickt hatte. Und so sich ihre Blicke trafen, drang Zauber in ihrer beiden Herzen. Als die Alte den verklärten Blick in Ceridwens Augen sah, wusse sie, dass der Zaube gefruchtet hatte und flog mit ihr in den Wald zurück. In der darauffolgenden Nach führte sie Ceridwen abermals auf die Flur. Die Freude ihres Herzens, Moran wiederzusehen, ließ Cerídwen beglückt erkennen:" Jetzt sehe ich, welch edle Art der Empfindung es ist, die den Namen Liebe trägt." Und wie gesprochen, da ereignete es sich, dass die Alte einen Blitz auf Moran níederschlug, der ihn zu Nebel werden ließ.
Als Ceridwen sah, was Moran angetan ward, brach ihr das Herz. Wie hing sie doch an seinem Bild, das nun zu Nebel geworden war. Der quälenden Erkenntnis gewahr, dass sie nun nicht mehr zueinander finden wüden, klagte sie:" Jetzt sehe ich, welch unbekanntes Leid es ist, das den Namen Liebeskumme trägt. Und die Alte ließ Ceridwen einsam im Neben der Flur zuück. Die Nacht des vierten Mondes zog über das Land und Caridwen hing noch immer in stiller Wehmut an Morans Bilde fest. Die Stunden, worin sie sich in ihrem Kummer befand, wurden ihr so unerträlich, dass sie beschloss, endlich Erns aus der Sache zu machen und sich auf ihre Kunst des Heilens zu besinnen.
Sie trat zuden rüden Schwestern und sprach:"So hört, ich habe von euch erfahen, was ich wissen wollte; dafür habt Dank. Und freut  es euch auch, mich leiden zu sehen, erfahrt, dass ich alles daran setzen werde, um diesen Schmerz zu lindern."
Und während tausende Zungen zugleich die Bestrafung eines so unerhörten Frevels fordeten, wirbelten die Hexen ihre Zauberstäbe und brachten aus der Erde einen prächtigen Kupfekessel hevor. "Unbelehrbare du, fauchte die Alte. "Gibst noch immer keine Ruh?
Dann zeig, ob du bereit zu wagen, im Kampf um Moran nicht zu verzagen. Willst ihn aus dem Nebel zurückgewinnen, musst den Boden des Kessels ans tageslicht bringen."
"Auf dem Boden des Kessels stehen die Worte, die den Fluch von Moran nehmen können. Wenn du es schaffst diese zu erblicken, musst du den Kessel so lange über dem Feuer rühren, bis Wasser zu Dampf geworden, oder durch eine Kehle floss. Jede Nachtscheie zu Werk und versuche den Bann zu brechen. Gelingt es dir nicht den Kessel in einer Nacht zu leeren, war die Mühe umsonst, denn schon am Morgen wird er wieder gefüllt sein. Und hüte dich seinen Inhalt zu verschütten. Geschieht´s so, ist Moran allemal verloren."
Dies waren die Worte, die ihr die Alte zusprach, bevor Ceridwen in der Nacht des fünften Mondes in ihr Wäldchen zurückflog.
Wie sie vor ihrer Reise dem Sattlersjungen geboten, fand sich dieser erneut bei Ceridwen im Walde ein. Als sie nun in seine Augen blickte erkannte sie darin den Liebeskummer.
"Bursche, hör mir zu", sagte sie. "Kein Mittelchen, das ich gebraut, ist im Stande, dich von deiner Pain zu erlösen. Was dich matert ist der Liebeskummer und dagegen ist kein Kraut gewachsen. Nur eine Kraft kann dir Helfen, den Kummer zu besiegen. Es ist die Kraft der Liebe, deiner Liebe. Bist du stark genug diese Kraft zu wecken, wirst du genesen, bist du schwach und vergräbst dich in deinem Kummer, wirst du ewig leiden. Gedenke dieser Worte und treffe deine Wahl. Du hast nur eine."
Dann ntließ sieden Jungen, denn nun war es auch an Ceridwen eine Wahl zu treffen.
Viele Jahre verstrichen, ohne dass Ceridwen ihrer entfachten Liebe zu Moran nachlässig wurde. Im Kampf um seine Erlösung, hütete sie den prächtigen Kupfekessel, wie eine Amme ihr Kind. Wie sie jedoch erkannte, dass es  ihr alleine nie gelingen würde, den Kessel in einer Nacht zu leeren, griff sie gewieft auf eine List zurück.
Da die Dorfbewohner die Hexe noch immer in ihrer Baude um Rat aufsuchen pflegten, fügte sie dem Wasser ihres Kessels geheime Kräuter bei. Diese befähigten die Ratsuchenden Weisheit zu erkennen. Wem Ceridwen von nun an aus ihrem Kessel zu trinken gab, dererfuhr glorreiche Erkenntnis. So fügte es sich geschickt, dass Ceridwen fortan viele Getreaue fand, die ihr beim Leeren des Kupferkessels halfen.
Und sie tun dies noch immer, denn bishe ward der Kessel noch in keiner der Nächtevollends geleert.

Darum möge, wer in diese Gegend kommt, Nachfrage tun und in Erfahrung bringen, welcher Pfad zum Landhaus der Hexe führt. Und so er dort einkehrt, wird er finden, dass sich bis auf diesen Tag der Kupferkessel nicht geleert hat. Und so dies nicht geschehen ist, wird Ceridwen auch weiterhin des Nachts auf ihrer Besen über die Wälder fliegen, nach geheimem Kräutern suchen und den Kupferkessel rühren, bis endlich der Fluch von Moran genommen und er aus den Nebelschwaden zu ihr zurückgekehrt ist.


 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 














 

 

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